Burnout-Anzeichen-Test:
Warum nicht jede Erschöpfung Burnout ist
Erschöpft. Ausgelaugt. Kaum noch Energie für Dinge, die sonst selbstverständlich waren.
Irgendwann fangen wir an, zu schauen, was dahinter stecken könnte.
Das ist nachvollziehbar. Wenn sich der eigene Zustand verändert, möchte man verstehen, was dahintersteckt. Ein paar Fragen beantworten, ein Ergebnis bekommen und endlich etwas besser einordnen können, was gerade los ist.
Ein Selbsttest kann dabei durchaus erste Hinweise geben. Was er allerdings nicht beantworten kann, ist die vielleicht wichtigere Frage:
Warum bist du eigentlich so erschöpft?
Was Burnout laut Definition bedeutet
Bereits in der ICD-10, der International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems, wurde „Ausgebranntsein“ beziehungsweise Burnout erfasst. Die ICD ist ein von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebenes internationales Klassifikationssystem für Krankheiten und andere gesundheitsbezogene Zustände.
In der aktuell in Deutschland verwendeten ICD-10-GM wird Burnout unter Z73 „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ geführt. Die ICD-10-GM ist 2026 weiterhin die amtliche Klassifikation zur Verschlüsselung medizinischer Diagnosen in Deutschland.
Mit der ICD-11 hat die WHO die Definition von Burnout deutlich präzisiert. Seit 2022 ist die ICD-11 international in Kraft. Burnout wird darin als „occupational phenomenon“, also als berufsbezogenes Phänomen, eingeordnet und ausdrücklich nicht als eigenständige Erkrankung klassifiziert.
Die WHO beschreibt drei zentrale Merkmale:
ein Gefühl von Energiemangel oder Erschöpfung
eine zunehmende mentale Distanz zur eigenen Arbeit beziehungsweise negativere oder zynischere Gedanken gegenüber dem Beruf
das Gefühl einer verminderten beruflichen Leistungsfähigkeit
Burnout bezieht sich laut WHO ausdrücklich auf chronischen Stress im beruflichen Kontext.
Was ein Burnout-Test zeigen kann
Wissenschaftlich entwickelte Fragebögen können hilfreich sein, um bestimmte Belastungsbereiche zu erfassen. Ein hoher Wert kann zum Beispiel zeigen: Du fühlst dich aktuell stark erschöpft oder belastet.
Was ein solcher Test jedoch nicht zuverlässig klären kann: Woher diese Erschöpfung kommt.
Denn Beschwerden wie Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Schlafveränderungen, Reizbarkeit oder verminderte Leistungsfähigkeit sind nicht automatisch für Burnout belastbar. Sie können grundsätzlich bei länger anhaltendem Stress auftreten.
Sie können aber auch im Zusammenhang mit psychischen Beschwerden, Schlafproblemen, körperlichen Erkrankungen, Medikamenten, Veränderungen der Lebenssituation oder mehreren Faktoren gleichzeitig stehen.
Genau deshalb ist Erschöpfung zunächst ein Symptom und noch keine Erklärung.
Warum zwei Menschen mit demselben Testergebnis etwas anderes brauchen können
Stell dir zwei Menschen vor, die denselben Burnout-Test machen und nahezu dieselbe Punktzahl erreichen. Bei einer Person hat die Erschöpfung parallel zu einer immer höheren Arbeitsbelastung zugenommen. Gleichzeitig wächst die Distanz zum eigenen Beruf und Abschalten fällt zunehmend schwer.
Die andere Person fühlt sich ebenfalls erschöpft, allerdings auch an freien Tagen und unabhängig von der Arbeit. Zusätzlich haben sich Schlaf, körperliches Wohlbefinden oder andere Bereiche verändert.
Das Testergebnis könnte ähnlich aussehen.
Die nächsten Schritte wären allerdings vollkommen unterschiedlich.
Und genau deshalb interessiert mich in meiner Arbeit immer die Frage: Was trägt dazu bei, dass dein System gerade so reagiert?
Nicht psychisch oder körperlich denken das UND ist entscheidend
Gerade bei Erschöpfung halte ich es für wichtig, nicht vorschnell ausschließlich in eine Richtung zu schauen. Manchmal steht eine berufliche Überlastung sehr deutlich im Vordergrund. Manchmal spielen psychische Belastungen eine wichtige Rolle. Manchmal sollten körperliche Faktoren zunächst ärztlich abgeklärt werden. Und häufig beeinflussen sich mehrere Ebenen gegenseitig.
Körperliche Veränderungen können unser psychisches Erleben beeinflussen. Gleichzeitig kann länger anhaltender Stress körperliche Prozesse und unser Wohlbefinden verändern. Es lohnt sich, das Zusammenspiel genauer anzusehen.
Welche Fragen hilfreich sein können
Wenn du gerade versuchst, deine Erschöpfung besser einzuordnen, können diese Fragen interessant sein:
- Seit wann fühlst du dich anders?
- Hängt die Erschöpfung tatsächlich überwiegend mit deiner Arbeit zusammen?
- Kannst du dich in freien Zeiten erholen?
- Wie ist dein Schlaf?
- Gab es zeitgleich andere körperliche oder psychische Veränderungen?
…
Genau dort setzt meine Arbeit an
In meiner Arbeit geht es deshalb nicht darum, Beschwerden möglichst schnell einer einzelnen Kategorie zuzuordnen. Mich interessiert das Zusammenspiel.
Deine aktuelle Belastung. Dein Erleben. Deine körperlichen Reaktionen. Schlaf und Regeneration. Deine bisherigen Erfahrungen und die Frage, welche Faktoren deine Beschwerden möglicherweise aufrechterhalten oder verstärken.
Manchmal ist die hilfreichste Frage:
Warum geht es mir gerade so und was braucht mein System, damit sich etwas verändern kann?
Genau dort beginnt häufig das eigentliche Verstehen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische oder psychotherapeutische Diagnostik oder Behandlung. Neu auftretende, ausgeprägte oder länger anhaltende Erschöpfung sollte ärztlich beziehungsweise psychotherapeutisch abgeklärt werden.